>>> YOU ARE VIEWING A 200 LINE SAMPLE OF EBOOK# E06028 <<< TITLE: NATHAN DER WEISE AUTHOR: GOTTHOLD EPRAIM LESSING EBOOK: E06028 (O'Briens Book Cellar) LANGUAGE: GERMAN NATHAN DER WEISE Gotthold Ephraim Lessing Ein Dramatisches Gedicht, in fuenf Aufzuegen Introite, nam et heic Dii funt!--Apud Gellium Personen: Sultan Saladin Sittah, dessen Schwester Nathan, ein reicher Jude in Jerusalem Recha, dessen angenommene Tochter Daja, eine Christin, aber in dem Hause des Juden, als Gesellschafterin der Recha Ein junger Tempelherr Ein Derwisch Der Patriarch von Jerusalem Ein Klosterbruder Ein Emir nebst verschiednen Mamelucken des Saladin Die Szene ist in Jerusalem Erster Aufzug Erster Auftritt (Szene: Flur in Nathans Hause.) Nathan von der Reise kommend. Daja ihm entgegen. Daja. Er ist es! Nathan!--Gott sei ewig Dank, Dass Ihr doch endlich einmal wiederkommt. Nathan. Ja, Daja; Gott sei Dank! Doch warum endlich? Hab ich denn eher wiederkommen wollen? Und wiederkommen koennen? Babylon Ist von Jerusalem, wie ich den Weg, Seitab bald rechts, bald links, zu nehmen bin Genoetigt worden, gut zweihundert Meilen; Und Schulden einkassieren, ist gewiss Auch kein Geschaeft, das merklich foedert, das So von der Hand sich schlagen laesst. Daja. O Nathan, Wie elend, elend haettet Ihr indes Hier werden koennen! Euer Haus... Nathan. Das brannte. So hab ich schon vernommen.--Gebe Gott, Dass ich nur alles schon vernommen habe! Daja. Und waere leicht von Grund aus abgebrannt. Nathan. Dann, Daja, haetten wir ein neues uns Gebaut; und ein bequemeres. Daja. Schon wahr!-- Doch Recha waer' bei einem Haare mit Verbrannt. Nathan. Verbrannt? Wer? meine Recha? sie?-- Das hab ich nicht gehoert.--Nun dann! So haette Ich keines Hauses mehr bedurft.--Verbrannt Bei einem Haare!--Ha! sie ist es wohl! Ist wirklich wohl verbrannt!--Sag nur heraus! Heraus nur!--Toete mich: und martre mich Nicht laenger.--ja, sie ist verbrannt. Daja. Wenn sie Es waere, wuerdet Ihr von mir es hoeren? Nathan. Warum erschreckest du mich denn?--O Recha! O meine Recha! Daja. Eure? Eure Recha? Nathan. Wenn ich mich wieder je entwoehnen muesste, Dies Kind mein Kind zu nennen! Daja. Nennt Ihr alles, Was Ihr besitzt, mit ebensoviel Rechte Das Eure? Nathan. Nichts mit groesserm! Alles, was Ich sonst besitze, hat Natur und Glueck Mir zugeteilt. Dies Eigentum allein Dank ich der Tugend. Daja. O wie teuer lasst Ihr Eure Guete, Nathan, mich bezahlen! Wenn Guet', in solcher Absicht ausgeuebt, Noch Guete heissen kann! Nathan. In solcher Absicht? In welcher? Daja. Mein Gewissen... Nathan. Daja, lass Vor allen Dingen dir erzaehlen... Daja. Mein Gewissen, sag ich... Nathan. Was in Babylon Fuer einen schoenen Stoff ich dir gekauft. So reich, und mit Geschmack so reich! Ich bringe Fuer Recha selbst kaum einen schoenern mit. Daja. Was hilft's? Denn mein Gewissen, muss ich Euch Nur sagen, laesst sich laenger nicht betaeuben. Nathan. Und wie die Spangen, wie die Ohrgehenke, Wie Ring und Kette dir gefallen werden, Die in Damaskus ich dir ausgesucht: Verlanget mich zu sehn. Daja. So seid Ihr nun! Wenn Ihr nur schenken koennt! nur schenken koennt! Nathan. Nimm du so gern, als ich dir geb:--und schweig! Daja. Und schweig! Wer zweifelt, Nathan, dass Ihr nicht Die Ehrlichkeit, die Grossmut selber seid? Und doch... Nathan. Doch bin ich nur ein Jude.--Gelt, Das willst du sagen? Daja. Was ich sagen will, Das wisst Ihr besser. Nathan. Nun so schweig! Daja. Ich schweige. Was Straefliches vor Gott hierbei geschieht, Und ich nicht hindern kann, nicht aendern kann,-- Nicht kann,--komm' ueber Euch! Nathan. Komm' ueber mich!-- Wo aber ist sie denn? wo bleibt sie?--Daja, Wenn du mich hintergehst!--Weiss sie es denn, Dass ich gekommen bin? Daja. Das frag ich Euch! Noch zittert ihr der Schreck durch jede Nerve. Noch malet Feuer ihre Phantasie Zu allem, was sie malt. Im Schlafe wacht, Im Wachen schlaeft ihr Geist: bald weniger Als Tier, bald mehr als Engel. Nathan. Armes Kind! Was sind wir Menschen! Daja. Diesen Morgen lag Sie lange mit verschlossnem Aug', und war Wie tot. Schnell fuhr sie auf, und rief: "Horch! horch! Da kommen die Kamele meines Vaters! Horch! seine sanfte Stimme selbst!"--Indem Brach sich ihr Auge wieder: und ihr Haupt, Dem seines Armes Stuetze sich entzog, Stuerzt auf das Kissen.--Ich, zur Pfort' hinaus! Und sieh: da kommt Ihr wahrlich! kommt Ihr wahrlich!-- Was Wunder! ihre ganze Seele war Die Zeit her nur bei Euch--und ihm.-- Nathan. Bei ihm? Bei welchem Ihm? Daja. Bei ihm, der aus dem Feuer Sie rettete. Nathan. Wer war das? wer?--Wo ist er? Wer rettete mir meine Recha? wer? Daja. Ein junger Tempelherr, den, wenig Tage Zuvor, man hier gefangen eingebracht, Und Saladin begnadigt hatte. Nathan. Wie? Ein Tempelherr, dem Sultan Saladin Das Leben liess? Durch ein geringres Wunder <<< END OF SAMPLE... (THE FULL EBOOK HAS 194195 TOTAL CHARACTERS) >>>