>>> YOU ARE VIEWING A 200 LINE SAMPLE OF EBOOK# E05964 <<< TITLE: MAN KANN NIE WISSEN AUTHOR: GEORGE BERNARD SHAW EBOOK: E05964 (O'Briens Book Cellar) LANGUAGE: GERMAN Man Kann Nie Wissen (Komoedie in vier Akten) George Bernard Shaw Uebersetzung von Siegfried Trabisch Die erste deutsche Ausgabe dieser Komoedie fuehrte den Titel "Der verlorene Vater".--Die Hauptperson heisst im Original nicht Fergu McNaughtan, sondern Fergus Crampton. Shaw, der Hauptmann sehr verehrt, wollte die festumrissene Vorstellung, die wir mit dem Namen Crampton verbinden, nicht stoeren und aenderte ihn in McNaughtan um, womit zugleich die Uebertragung eines Wortwitzes moeglich wurde, der im Original eine Rolle spielt. Anmerkung des Uebersetzers. PERSONEN Frau Clandon Gloria } Dolly } ihre Kinder Philip } Dr. Valentine, Zahnarzt Fergus McNaughtan McComas, Rechtsanwalt Justizrat Bohun Ein Kellner Ein Stubenmaedchen Ein Kellnerjunge Ein Koch Ort: Ein englisches Seebad. Zeit: 1896. ERSTER AKT (An einem schoenen Augustmorgen des Jahres 1896 im Operationszimmer eines Zahnarztes. Es ist nicht das uebliche winzige Londoner Loch, sondern das beste Zimmer einer moeblierten Wohnung an der Strandpromenade in einem vornehmen Seebad. Der Operationsstuhl mit Gasschlauch und Zylinder steht zwischen der Mitte des Zimmers und einer der Ecken. Wenn man durch das dem Stuhl gegenueberliegende Fenster in das Zimmer hineinsieht, erblickt man den Kamin in der Mitte der dem Beschauer gegenueberstehenden Wand. Links eine Tuer. Ueber dem Kaminsims befindet sich ein Diplom in einem Rahmen. Vor dem Kamin steht ein breiter schwarzlederner Sessel, rechts in der Ecke ein sauberer Schemel und eine Bank mit Schraubstock, Werkzeugen, einem Moerser und einem Stoessel darauf. In der Naehe dieser Bank befindet sich ein duennes peitschenartiges Geraet, das mit einem Staender, einem Pedal und einer uebertrieben grossen Kurbel versehen ist. Da man dieses Marterwerkzeug als Zahnbohrer erkennt, blickt man schaudernd nach links, wo man ein anderes Fenster, darunter einen Schreibtisch mit Loescher und Mappe sieht. Vor dem Schreibtisch ein Stuhl. In seiner Naehe, gegen die Tuere zu, ein lederueberzogenes Sofa. Die gegenueberliegende rechtsseitige Wand wird hauptsaechlich von einem langen Buechergestell eingenommen. Der Operationsstuhl steht dem Beschauer dicht gegenueber; in handlicher Naehe links davon befindet sich der Instrumentenschrank. Man bemerkt, dass die zahnaerztliche Einrichtung samt Apparaten neu ist. Die mit einem Muster von Girlanden und Urnen geschmueckten Tapeten im Geschmack eines Leichenbestatters, der Teppich mit seiner symmetrischen Zeichnung von reichen, kohlkopfartigen Blumenstraeussen, der glaeserne Gaskronleuchter mit Prismen, die ebenfalls prismengeschmueckten, vergoldeten, blauen Armleuchter in den Ecken des Kaminsimses und die Goldbronzeuhr unter einem Glassturz zwischen ihnen, deren Nutzlosigkeit durch eine billige amerikanische Uhr betont wird, die respektlos daneben gestellt ist und jetzt auf zwoelf Uhr mittags zeigt: alles das vereinigt sich mit dem schwarzen Marmor, der dem Kamin das Ansehen einer Familiengruft en miniature gibt, um Kaufmannsanstaendigkeit im Anfang der Regierung der Koenigin Viktoria, den Glauben ans Geld, Bibelfetischismus, Furcht vor der Hoelle, die immer im Kampf mit der Furcht vor der Armut liegt, instinktives Entsetzen vor dem leidenschaftlichen Charakter der Kunst, der Liebe und der roemisch-katholischen Kirche, und im allgemeinen die ersten Fruechte der Geldherrschaft in den Anfaengen der industriellen Revolution anzudeuten.) (Nicht das Leiseste von diesen Traditionen liegt ueber den zwei Personen, die jetzt gerade im Zimmer sind. Die eine davon, eine sehr huebsche, sehr kleine Dame, deren winzige Figur mit der elegantesten Lebhaftigkeit gekleidet ist, gehoert einer spaeteren Generation an: sie ist kaum achtzehn Jahre alt. Dieses liebe kleine Geschoepf gehoert offenbar weder zu dem Zimmer, noch auch zu dem Lande; denn seine Gesichtsfarbe, obgleich sehr zart, ist von einer heisseren Sonne als der Englands gebraeunt worden; aber trotzdem besteht fuer einen sehr feinen Beobachter ein Zusammenhang zwischen der jungen Dame und England. Sie haelt naemlich ein Wasserglas in der Hand, und auf ihrem winzigen, energisch geschnittenen Mund wie auf ihren eigentuemlich geschweiften Augenbrauen bemerkt man eine sich rasch verziehende Wolke spartanischer Hartnaeckigkeit. Wenn man die kleinste Gewissenslinie zwischen ihren Augenbrauen entdecken koennte, wuerde ein Pietist wohl die schwache Hoffnung hegen, in ihr ein Schaf im Wolfspelz zu finden--ihr Kleid ist naemlich verwuenscht huebsch--aber sowie die Wolke flieht, ist ihre Stirnlinie so vollkommen frei von jedem Suendenbewusstsein wie die eines Kaetzchens.) (Der Zahnarzt, der sie mit der Selbstzufriedenbeit des erfolgreichen Operateurs betrachtet, ist ein junger Mann von ungefaehr dreissig Jahren. Er macht nicht sehr den Eindruck eines Arbeitsmenschen: unter der geschaeftsmaessigen Art und Weise des neuetablierten Zahnarztes, der auf der Suche nach Patienten ist, bemerkt man die leichtsinnige Liebenswuerdigkeit des noch unverheirateten, auf der Suche nach lustigen Abenteuern befindlichen jungen Mannes von Welt. Er ist nicht ohne Ernst im Benehmen, aber seine straff gespannten Nasenfluegel stempeln diesen zum Ernste eines Humoristen. Seine Augen sind klar, flink, von skeptisch maessiger Groesse und doch ein wenig wagelustig; seine Stirn ist praechtig, hinter ihr ist viel Raum; seine Nase und sein Kinn sind kavaliermaessig huebsch. Im ganzen ein anziehender, beachtenswerter Anfaenger, dessen Aussichten ein Geschaeftsmann ziemlich guenstig einschaetzen wuerde.) (Die junge Dame ihm das Glas reichend:) Danke schoen. (Trotz ihrer mattgelben Hautfarbe spricht sie ohne den geringsten fremden Akzent.) (Der Zahnarzt setzt es auf den Rand des Instrumentenschrankes:) Das war mein erster Zahn! (Die junge Dame entsetzt:) Ihr erster?!... Wollen Sie damit sagen, dass Sie an mir angefangen haben, zu praktizieren? (Der Zahnarzt.) Jeder Zahnarzt muss einmal mit jemandem den Anfang machen. (Die junge Dame.) Jawohl, mit jemandem im Spital--aber nicht mit Leuten, die bezahlen. (Der Zahnarzt lachend:) Oh, das Spital zaehlt natuerlich nicht!... Ich meinte nur: mein erster Zahn in meiner Privatpraxis.--Warum wollten Sie kein Lachgas haben? (Die junge Dame.) Weil Sie mir sagten, dass das noch fuenf Schilling extra kostete. (Der Zahnarzt unangenehm beruehrt:) Oh, sagen Sie das nicht! Da hab' ich das Gefuehl, als haette ich Ihnen wegen der fuenf Schillinge weh getan. (Die junge Dame mit kuehler Dreistigkeit:) Nun, das haben Sie auch. (Sie steht auf:) Warum auch nicht?... Es ist Ihr Beruf, den Leuten weh zu tun. (Es macht ihm Spass, in dieser Weise behandelt zu werden, und er kichert heimlich, waehrend er fortfaehrt, seine Instrumente zu reinigen und wieder wegzulegen. Sie schuettelt ihr Kleid zurecht, blickt sich neugierig um und gebt an das Fenster.) Sie haben aber wirklich eine schoene Aussicht auf das Meer von diesen Zimmern aus! --Sind sie teuer? (Der Zahnarzt.) Ja. (Die junge Dame.) Ihnen gehoert aber nicht das ganze Haus? (Der Zahnarzt.) Nein. (Die junge Dame kippt den Stuhl, der vor dem Schreibtisch steht, um und betrachtet ihn kritisch, waehrend sie ihn auf einem Fuss herumwirbelt:) Ihre Einrichtung ist aber nicht die allermodernste; nicht wahr? (Der Zahnarzt.) Sie gehoert dem Hausherrn. (Die junge Dame.) Gehoert ihm dieser huebsche bequeme Rollstuhl auch? (Sie zeigt auf den Operationsstuhl.) (Der Zahnarzt.) Nein, den habe ich gemietet. (Die junge Dame geringschaetzig:) Das habe ich mir gedacht! (Sie blickt umher, um noch mehr Schluesse ziehen zu koennen:) Sie sind wohl noch nicht lange hier? (Der Zahnarzt.) Seit sechs Wochen.--Wuenschen Sie sonst noch etwas zu wissen? (Die junge Dame, an der die Anspielung verloren gebt:) Haben Sie Familie? (Der Zahnarzt.) Ich bin unverheiratet. (Die junge Dame.) Selbstverstaendlich. Das sieht man.--Ich meine Schwestern... eine Mutter... und sowas. (Der Zahnarzt.) Nicht hier am Ort. (Die junge Dame.) Hm... Wenn Sie sechs Wochen hier sind und mein Zahn der erste war, dann kann Ihre Praxis nicht sehr gross sein? (Der Zahnarzt.) Bis jetzt nicht. (Er schliesst den Schrank, nachdem er alles in Ordnung gebracht hat.) (Die junge Dame.) Nun denn, Glueck auf! (Sie nimmt ihre Boerse aus der Tasche:) Fuenf Schillinge macht es, sagten Sie, nicht wahr? (Der Zahnarzt.) Fuenf Schillinge. (Die junge Dame nimmt ein Fuenf-Schilling-Stueck heraus:) Rechnen Sie fuer jede Operation fuenf Schillinge? <<< END OF SAMPLE... (THE FULL EBOOK HAS 252493 TOTAL CHARACTERS) >>>