>>> YOU ARE VIEWING A 200 LINE SAMPLE OF EBOOK# E05861 <<< TITLE: DIE UNHEILBRINGENDE KRONE AUTHOR: FERDINAND RAIMUND EBOOK: E05861 (O'Briens Book Cellar) LANGUAGE: GERMAN Die unheilbringende Krone oder Koenig ohne Reich, Held ohne Mut, Schoenheit ohne Jugend Ferdinand Raimund Original-tragisch-komisches Zauberspiel in zwei Aufzuegen Personen Lucina, Schutzgoettin von Agrigent. Hades, Fuerst der Unterwelt. Thanatos, Genius des ewigen Schlafes. Lulu und Fanfu, Genien. Tisiphone, Megaera und Alecto, Furien. Kreon, Koenig von Agrigent. Phalarius, Feldherr. Antrogaeus, Unterfeldherr. Androkles und Clitonius, Hauptleute des Phalarius. Octavian, ein Landmann. Ein Jaeger von des Phalarius Gefolge. Simplizius Zitternadel, ein armer Dorfschneider. Ewald, ein Dichter. Riegelsam, ein Weinhaendler. Heraklius, Fuerst von Massana. Hermodius, sein erster Minister. Thestius, ein edler Massanier. Arete, seine Nichte. Adrasto, erster Diener des Tempels. Epaminondas, Hypomedon, Argos und Sillius, Massanier. Eine Frau von Massana. Ein Diener des Thestius. Dardonius, Fuerst von Kallidalos. Olimar, Astrachan, Abukar und Nimelot, Bewohner von Kallidalos. Aloe. Atritia, ihre Nichte. Erster, Zweiter und Dritter Geist des Orkus. Genien. Geister. Erscheinungen. Edle und Krieger von Agrigent. Jagdgefolge. Volk von Massana. Krieger. Hoeflinge und Volk von Kallidalos. Priesterinnen im Venustempel. Erster Aufzug. Erste Szene. (Finsterer Wald.) Im Hintergrunde links ein gigantischer Fels, mit einer durch ein ehernes Tor geschlossenen Hoehle. Neben der Pforte stehen mit Fackel und Dolch bewaffnet die zwei Eumeniden Tisiphone und Alecto, aus Stein gehauen. Megaera, die dritte, ist ueber derselben in sitzender Stellung angebracht. Die Pforte ist symbolisch verziert, neben ihr ein steinerner Opferaltar. In der Tiefe der Buehne ein See, von rauhen mit Baeumen bewachsenen Felsen umschlossen. Im Vordergrund rechts ein Gebuesche. Donner murmelt durch den in weiter Ferne erschallenden Jubelchor. Wie des Adlers Kraftgefieder Seinen Leib zur Sonne traegt, Fliegen aufwaerts unsre Lieder, Durch der Freude Schwung bewegt. Gluecklich, wie in Himmelszonen, Von der Erde Leid getrennt, Stolz die ew'gen Goetter thronen, Herrsch' Kreon in Agrigent. Phalarius (tritt mit wild zurueckschauenden Blicken hastig ein, er traegt ein Pantherfell ueber dem Ruecken und ist mit Bogen und Pfeil bewaffnet). Bin ich denn noch nicht weit genug gezogen, Verraeterische Stadt, die mich betrogen? Wird auch des Waldes duestre Einsamkeit Durch deines Jubels frechen Schall entweiht? (Die letzten Worte des Jubelchores erklingen wieder: "Herrsch' Kreon in Agrigent." Herrsch' nur Kreon, Volk, jauchz' die Kehle wund, Ihr zwingt das Glueck zu keinem ew'gen Bund. Prahlt, Luegner, mit der Kron', die ich erkaempft, Da nur mein Mut des Krieges Glut gedaempft. Mich lasst aus Undank meinen Purpur weben, Ihn faerben mit dem ausgestroemten Leben. Das ich vergeudet am ersiegten Strand, Den Lorbeer brechend mit der blut'gen Hand. Glaubt ihr, ich hab' fuer Agrigent gestritten, Damit der Rat, nach ungerechten Sitten, Das Reich verkauft an den unmuend'gen Knaben, Auf das nur ich ein wahrhaft Recht kann haben? Denn ist er auch dem Thron verwandt durch Blut, Bin ich es wuerd'ger noch durch Heldenmut. Ich glaub' nicht, was des Tempels Diener sagten, Als schlau sie Jupiters Orakel fragten, Ob mir, ob wohl Kreon das Reich gehoert; Es hab' der Gott sich donnernd drob' empoert, Dass ich's gewagt, als meiner Siege Lohn, Zu fordern Agrigentens goldnen Thron, Und ausgesprochen unter ew'gen Blitzen; "Ich duerfe nie ein Reich der Welt besitzen, Und Agrigent kann dann nur Glueck erringen, Wird auf dem Thron Kreon das Zepter schwingen." So logen sie, als ich zurueckgekehrt, Aus blut'ger Schlacht zum heisserkaempften Herd, So logen sie, von aller Scham entwoehnt, Als Siegesdank fand ich Kreon gekroent. Da aussen ich des Landes Feind bekriegt, Hat eigner mich im Innern hier besiegt. Drum will ich fliehn aus dir, verhasstes Land, Doch nimm den Schwur als draeuend Unterpfand, Dass ich noch einmal zu dir wiederkehre, Zu raechen die durch Trug geraubte Ehre. (Will ab und erblickt entsetzt der Rachefurien Hoehle.) Ha, welch ein Pfad hat mich zu euch geleitet, Blutlose Schwestern, die ihr stets bereitet, Als der Vergeltung grauenvolle Buergen, Gewalt'ge Suender dieser Welt zu wuergen. Euch fordr' ich auf, an euch will ich mich wenden, Sprengt auf das Tor mit den entfleischten Haenden, Reicht mir ein Schwert, mich an der Welt zu raechen, Die mich verhoehnt, und ihren Bau zu brechen. (Fuerchterlicher Donnerschlag, der verrollt; die Pforte droehnt und erzittert, dann leuchten schwache Blitze auf das Gebuesche rechts, das sich in der Mitte auseinanderteilt. Man erblickt darin Hades, in Lumpen gehuellt, mit bleichem Antlitz auf einem Steine sitzen, er hat einen Sack ueber dem Ruecken haengen.) Zweite Szene. Phalarius und Hades. (Hades grinst Phalarius an, der ihn mit Entsetzen betrachtet.) Phalarius. Welch ekliche Gestalt, wer bist du? Hades (mit etwas hohler Stimme, lauernd und gezogen). Ich? Phalarius. Bist du der Rachefurien eine? (Starr.) Sprich! Hades (langsam aufstehend, er geht gebeugt und spricht langsam im hohlen Tone). Bin keine von den Rachefurien, Kann selbst kaum mehr auf morschen Knochen stehn; Bin nicht Tisiphone, Megaer', Alecto, Nein, nein, ich bin,--vergib,--mich schauert so. Phalarius. Du kannst nicht ganz der Erde angehoeren, Du koenntest sonst den schoenen Glauben stoeren, Dass nach dem hohen Goetterbild des Zeus Der Mensch geformet sei durch Prometheus. Hades. Nicht ganz ist mehr die Erd' mein Vaterland, Tief unten ruft es mich am styg'schen Strand; Harpyen, die wie Nachtigallen klagen, Verkuenden, dass die Furien um mich fragen. Phalarius. Hast du so boes gehaust in dieser Welt, Dass dir im Enden jeder Trost nun fehlt? Bist du so arm, dass dich Verzweiflung fasst, Und hast wohl einst im Uebermut geprasst? Hades. So ist es, du hast furchtbar wahr gesprochen, Doch jetzt ist meines Glueckes Stab gebrochen; Viel hab' ich einst auf dieser Erd' besessen, Geliebt ward ich, ich werd' es nie vergessen, Doch jetzt bin ich gehasst, bin unbeweibt, (Weinend.) So arm, dass mir nichts mehr, als eine Krone bleibt. Phalarius (nach einer Pause des Erstaunens). Was sprichst du, eine Kron'? Wahnwitzig Tier! Hades. Willst du sie sehn? ich trage sie mit mir. (Mit staerkerer Stimme.) Ich schenk' sie dir, willst du's mit ihr versuchen, Ich hoerte dich vorher um eine Krone fluchen, Doch traegst du sie, legst du sie nimmer ab, Sie bleibt dem Haupte treu bis an das Grab. Phalarius. Was nuetzt die Krone mich, nenn' mir ihr Reich. Hades (stark). Die Welt!--Hast du genug?--Was wirst du bleich? Phalarius. Soll ich's nicht werden? Mich befaellt ein Grauen, Wer kann in solchen Riesenhimmel schauen, Die Erd', so weit sie reicht, unendlich Bild, Hat nie die Neugier eines Augs gestillt. Entflieh, verlass mich, truegerischer Geist, Der Hoelle gibt, da er zum Himmel weist. Zeig' her die Kron', wenn du mich nicht geneckt. Hades. In meinem Bettelsack ist sie versteckt; Dem Drachen gleich, der in der Hoehle kauert, Auf fette Beut' mit gift'gem Zahne lauert. <<< END OF SAMPLE... (THE FULL EBOOK HAS 150141 TOTAL CHARACTERS) >>>