>>> YOU ARE VIEWING A 200 LINE SAMPLE OF EBOOK# E05853 <<< TITLE: KLEIN ZACHES, GENANNT ZINNOBER AUTHOR: E. T. A. HOFFMANN EBOOK: E05853 (O'Briens Book Cellar) LANGUAGE: GERMAN Klein Zaches genannt Zinnober Ein Maerchen E.T.A. Hoffmann Erstes Kapitel: Der kleine Wechselbalg. - Dringende Gefahr einer Pfarrersnase. - Wie Fuerst Paphnutius in seinem Lande die Aufklaerung einfuehrte und die Fee Rosabelverde in ein Fraeuleinstift kam. Zweites Kapitel: Von der unbekannten Voelkerschaft, die der Gelehrte Ptolomaeus Philadelphus auf seinen Reisen entdeckte. - Die Universitaet Kerepes. - Wie dem Studenten Fabian ein Paar Reitstiefel um den Kopf flogen und der Professor Mosch Terpin den Studenten Balthasar zum Tee einlud. Drittes Kapitel: Wie Fabian nicht wusste, was er sagen sollte. - Candida und Jungfrauen, die nicht Fische essen duerfen. - Mosch Terpins literarischer Tee. - Der junge Prinz. Viertes Kapitel: Wie der italienische Geiger Sbiocca den Herrn Zinnober in den Kontrabass zu werfen drohte, und der Referendarius Pulcher nicht zu auswaertigen Angelegenheiten gelangen konnte. - Von Maut-Offizianten und zurueckbehaltenen Wundern fuers Haus. - Balthasars Bezauberung durch einen Stockknopf. Fuenftes Kapitel: Wie Fuerst Barsanuph Leipziger Lerchen und Danziger Goldwasser fruehstueckte, einen Butterfleck auf die Kasimirhose bekam und den Geheimen Sekretaer Zinnober zum Geheimen Spezialrat erhob. - Die Bilderbuecher des Doktors Prosper Alpanus. - Wie ein Portier den Studenten Fabian in den Finger biss, dieser ein Schleppkleid trug und deshalb verhoehnt wurde. - Balthasars Flucht. Sechstes Kapitel: Wie der Geheime Spezialrat Zinnober in seinem Garten frisiert wurde und im Grase ein Taubad nahm. - Der Orden des gruengefleckten Tigers. - Gluecklicher Einfall eines Theaterschneiders. - Wie das Fraeulein von Rosenschoen sich mit Kaffee begoss und Prosper Alpanus ihr seine Freundschaft versicherte. Siebentes Kapitel: Wie der Professor Mosch Terpin im fuerstlichen Weinkeller die Natur erforschte. - Mycetes Belzebub. - Verzweiflung des Studenten Balthasar. - Vorteilhafter Einfluss eines wohleingerichteten Landhauses auf das haeusliche Glueck. - Wie Prosper Alpanus dem Balthasar eine schildkroetene Dose ueberreichte und davonritt. Achtes Kapitel: Wie Fabian seiner langen Rockschoesse halber fuer einen Sektierer und Tumultuanten gehalten wurde. - Wie Fuerst Barsanuph hinter den Kaminschirm trat und den Generaldirektor der natuerlichen Angelegenheiten kassierte. - Zinnobers Flucht aus Mosch Terpins Hause. - Wie Mosch Terpin auf einem Sommervogel ausreiten und Kaiser werden wollte, dann aber zu Bette ging. Neuntes Kapitel: Verlegenheit eines treuen Kammerdieners. - Wie die alte Liese eine Rebellion anzettelte und der Minister Zinnober auf der Flucht ausglitschte. - Auf welche merkwuerdige Weise der Leibarzt des Fuersten Zinnobers jaehen Tod erklaerte. - Wie Fuerst Barsanuph sich betruebte, Zwiebeln ass, und wie Zinnobers Verlust unersetzlich blieb. Letztes Kapitel: Wehmuetige Bitten des Autors. - Wie der Professor Mosch Terpin sich beruhigte und Candida niemals verdriesslich werden konnte. - Wie ein Goldkaefer dem Doktor Prosper Alpanus etwas ins Ohr summte, dieser Abschied nahm und Balthasar eine glueckliche Ehe fuehrte. Erstes Kapitel Der kleine Wechselbalg. - Dringende Gefahr einer Pfarrersnase. - Wie Fuerst Paphnutius in seinem Lande die Aufklaerung einfuehrte und die Fee Rosabelverde in ein Fraeuleinstift kam. Unfern eines anmutigen Dorfes, hart am Wege, lag auf dem von der Sonnenglut erhitzten Boden hingestreckt ein armes zerlumptes Bauerweib. Vom Hunger gequaelt, vor Durst lechzend, ganz verschmachtet, war die Unglueckliche unter der Last des im Korbe hoch aufgetuermten duerren Holzes, das sie im Walde unter den Baeumen und Straeuchern muehsam aufgelesen, niedergesunken, und da sie kaum zu atmen vermochte, glaubte sie nicht anders, als dass sie nun wohl sterben, so sich aber ihr trostloses Elend auf einmal enden werde. Doch gewann sie bald so viel Kraft, die Stricke, womit sie den Holzkorb auf ihrem Ruecken befestigt, loszunesteln und sich langsam heraufzuschieben auf einen Grasfleck, der gerade in der Naehe stand. Da brach sie nun aus in laute Klagen: "Muss," jammerte sie, "muss mich und meinen armen Mann allein denn alle Not und alles Elend treffen? Sind wir denn nicht im ganzen Dorfe die einzigen, die aller Arbeit, alles sauer vergessenen Schweisses ungeachtet in steter Armut bleiben und kaum so viel erwerben, um unsern Hunger zu stillen? - Vor drei Jahren, als mein Mann beim Umgraben unseres Gartens die Goldstuecke in der Erde fand, ja, da glaubten wir, das Glueck sei endlich eingekehrt bei uns und nun kaemen die guten Tage; aber was geschah! - Diebe stahlen das Geld, Haus und Scheune brannten uns ueber dem Kopfe weg, das Getreide auf dem Acker zerschlug der Hagel, und um das Mass unseres Herzeleids vollzumachen bis ueber den Rand, strafte uns der Himmel noch mit diesem kleinen Wechselbalg, den ich zu Schand' und Spott des ganzen Dorfs gebar. - Zu St.-Laurenztag ist nun der Junge drittehalb Jahre gewesen und kann auf seinen Spinnenbeinchen nicht stehen, nicht gehen und knurrt und miaut, statt zu reden, wie eine Katze. Und dabei frisst die unselige Missgeburt wie der staerkste Knabe von wenigstens acht Jahren, ohne dass es ihm im mindesten was anschlaegt. Gott erbarme sich ueber ihn und ueber uns, dass wir den Jungen grossfuettern muessen uns selbst zur Qual und groesserer Not; denn essen und trinken immer mehr und mehr wird der kleine Daeumling wohl, aber arbeiten sein Lebetage nicht! Nein, nein, das ist mehr als ein Mensch aushalten kann auf dieser Erde! - Ach koennt' ich nur sterben - nur sterben!" Und damit fing die Arme an zu weinen und zu schluchzen, bis sie endlich, vom Schmerz uebermannt, ganz entkraeftet einschlief. - Mit Recht konnte das Weib ueber den abscheulichen Wechselbalg klagen, den sie vor drittehalb Jahren geboren. Das, was man auf den ersten Blick sehr gut fuer ein seltsam verknorpeltes Stueckchen Holz haette ansehen koennen, war naemlich ein kaum zwei Spannen hoher, missgestalteter Junge, der von dem Korbe, wo er querueber gelegen, heruntergekrochen, sich jetzt knurrend im Grase waelzte. Der Kopf stak dem Dinge tief zwischen den Schultern, die Stelle des Rueckens vertrat ein kuerbisaehnlicher Auswuchs, und gleich unter der Brust hingen die haselgertduennen Beinchen herab, dass der Junge aussah wie ein gespalteter Rettich. Vom Gesicht konnte ein stumpfes Auge nicht viel entdecken, schaerfer hinblickend, wurde man aber wohl die lange spitze Nase, die aus schwarzen struppigen Haaren hervorstarrte, und ein Paar kleine, schwarz funkelnde Aeuglein gewahr, die, zumal bei den uebrigens ganz alten, eingefurchten Zuegen des Gesichts, ein klein Alraeunchen kundzutun schienen. - Als nun, wie gesagt, das Weib ueber ihren Gram in tiefen Schlaf gesunken war und ihr Soehnlein sich dicht an sie herangewaelzt hatte, begab es sich, dass das Fraeulein von Rosenschoen, Dame des nahegelegenen Stifts, von einem Spaziergange heimkehrend, des Weges daherwandelte. Sie blieb stehen und wurde, da sie von Natur fromm und mitleidig, bei dem Anblick des Elends, der sich ihr darbot, sehr geruehrt. "O du gerechter Himmel," fing sie an, "wieviel Jammer und Not gibt es doch auf dieser Erde! - Das unglueckliche Weib! - Ich weiss, dass sie kaum das liebe Leben hat, da arbeitet sie ueber ihre Kraefte und ist vor Hunger und Kummer hingesunken! - Wie fuehle ich jetzt erst recht empfindlich meine Armut und Ohnmacht! Ach, koennt' ich doch nur helfen, wie ich wollte! - Doch das, was mir noch uebrig blieb, die wenigen Gaben, die das feindselige Verhaengnis mir nicht zu rauben, nicht zu zerstoeren vermochte, die mir noch zu Gebote stehen, die will ich kraeftig und getreu nuetzen, um dem Leidwesen zu steuern. Geld, haette ich auch darueber zu gebieten, wuerde dir gar nichts helfen, arme Frau, sondern deinen Zustand vielleicht noch gar verschlimmern. Dir und deinem Mann, euch beiden ist nun einmal Reichtum nicht beschert, und wem Reichtum nicht beschert ist, dem verschwinden die Goldstuecke aus der Tasche, er weiss selbst nicht wie, er hat davon nichts als grossen Verdruss und wird, je mehr Geld ihm zustroemt, nur desto aermer. Aber ich weiss es, mehr als alle Armut, als alle Not, nagt an deinem Herzen, dass du jenes kleine Untierchen gebarst, das sich wie eine boese unheimliche Last an dich haengt, die du durch das Leben tragen musst. - Gross - schoen - stark - verstaendig, ja, das alles kann der Junge nun einmal nicht werden, aber es ist ihm vielleicht noch auf andere Weise zu helfen." - Damit setzte sich das Fraeulein nieder ins Gras und nahm den Kleinen auf den Schoss. Das boese Alraeunchen straeubte und spreizte sich, knurrte und wollte das Fraeulein in den Finger beissen, _die_ sprach aber: "Ruhig, ruhig, kleiner Maikaefer!" und strich leise und linde mit der flachen Hand ihm ueber den Kopf von der Stirn herueber bis in den Nacken. Allmaehlich glaettete sich waehrend des Streichelns das struppige Haar des Kleinen aus, bis es gescheitelt, an der Stirne fest anliegend, in huebschen weichen Locken hinabwallte auf die hohen Schultern und den Kuerbisruecken. Der Kleine war immer ruhiger geworden und endlich fest eingeschlafen. Da legte ihn das Fraeulein Rosenschoen behutsam dicht neben der Mutter hin ins Gras, besprengte diese mit einem geistigen Wasser aus dem Riechflaeschchen, das sie aus der Tasche gezogen, und entfernte sich dann schnellen Schrittes. Als die Frau bald darauf erwachte, fuehlte sie sich auf wunderbare Weise erquickt und gestaerkt. Es war ihr, als habe sie eine tuechtige Mahlzeit gehalten und einen guten Schluck Wein getrunken. "Ei," rief sie aus, "wie ist mir doch in dem bisschen Schlaf so viel Trost, so viel Munterkeit gekommen! - Aber die Sonne ist schon bald herab hinter den Bergen, nun fort nach Hause!" - Damit wollte sie den Korb aufpacken, vermisste aber, als sie hineinsah, den Kleinen, der in demselben Augenblick sich aus dem Grase aufrichtete und weinerlich quaekte. Als nun die Mutter sich nach ihm umschaute, schlug sie vor Erstaunen die Haende zusammen und rief - "Zaches - Klein Zaches, wer hat dir denn unterdessen die Haare so schoen gekaemmt! - Zaches - Klein Zaches, wie huebsch wuerden dir die Locken kleiden, wenn du nicht solch ein abscheulich garstiger Junge waerst! - Nun, komm nur, komm! - hinein in den Korb!" Sie wollte ihn fassen und quer ueber das Holz legen, da strampelte aber Klein Zaches mit den Beinen, grinste die Mutter an und miaute sehr vernehmlich: "Ich mag nicht!" - "Zaches! - Klein Zaches!" schrie die Frau ganz ausser sich, "wer hat dich denn unterdessen reden gelehrt? Nun! wenn du solch schoen gekaemmte Haare hast, wenn du so artig redest, so wirst du auch wohl laufen koennen." Die Frau huckte den Korb auf den Ruecken, Klein Zaches hing sich an ihre Schuerze, und so ging es fort nach dem Dorfe. Sie mussten bei dem Pfarrhause vorueber, da begab es sich, dass der Pfarrer mit seinem juengsten Knaben, einem bildschoenen goldlockigen Jungen von drei Jahren, in seiner Haustuere stand. Als der nun die Frau mit dem schweren Holzkorbe und mit Klein Zaches, der an ihrer <<< END OF SAMPLE... (THE FULL EBOOK HAS 235291 TOTAL CHARACTERS) >>>