>>> YOU ARE VIEWING A 200 LINE SAMPLE OF EBOOK# E05746 <<< TITLE: GOTZEN-DAMMERUNG AUTHOR: FRIEDRICH WILHELM NIETZSCHE EBOOK: E05746 (O'Briens Book Cellar) LANGUAGE: GERMAN Friedrich Nietzsche Goetzen-Daemmerung Inhaltsverzeichnis Vorwort Sprueche und Pfeile Das Problem des Sokrates Die "Vernunft" in der Philosophie Wie die "wahre Welt" endlich zur Fabel wurde Moral als Widernatur Die vier grossen Irrthuemer Die "Verbesserer" der Menschheit Was den Deutschen abgeht Streifzuege eines Unzeitgemaessen Was ich den Alten verdanke Der Hammer redet Goetzen-Daemmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt. Vorwort. Inmitten einer duestern und ueber die Maassen verantwortlichen Sache seine Heiterkeit aufrecht erhalten ist nichts Kleines von - Kunststueck: und doch, was waere noethiger als Heiterkeit? Kein Ding geraeth, an dem nicht der Uebermuth seinen Theil hat. Das Zuviel von Kraft erst ist der Beweis der Kraft. - Eine Umwerthung aller Werthe, dies Fragezeichen so schwarz, so ungeheuer, dass es Schatten auf Den wirft, der es setzt - ein solches Schicksal von Aufgabe zwingt jeden Augenblick, in die Sonne zu laufen, einen schweren, allzuschwer gewordnen Ernst von sich zu schuetteln. Jedes Mittel ist dazu recht, jeder "Fall" ein Gluecksfall. Vor Allem der Krieg. Der Krieg war immer die grosse Klugheit aller zu innerlich, zu tief gewordnen Geister; selbst in der Verwundung liegt noch Heilkraft. Ein Spruch, dessen Herkunft ich der gelehrten Neugierde vorenthalte, war seit langem mein Wahlspruch: increscunt animi, virescit volnere virtus. Eine andere Genesung, unter Umstaenden mir noch erwuenschter, ist Goetzen aushorchen... Es giebt mehr Goetzen als Realitaeten in der Welt: das ist mein "boeser Blick" fuer diese Welt, das ist auch mein "boeses Ohr"... Hier einmal mit dem Hammer Fragen stellen und, vielleicht, als Antwort jenen beruehmten hohlen Ton hoeren, der von geblaehten Eingeweiden redet - welches Entzuecken fuer Einen, der Ohren noch hinter den Ohren hat, - fuer mich alten Psychologen und Rattenfaenger, vor dem gerade Das, was still bleiben moechte, laut werden muss... Auch diese Schrift - der Titel verraeth es - ist vor Allem eine Erholung, ein Sonnenfleck, ein Seitensprung in den Muessiggang eines Psychologen. Vielleicht auch ein neuer Krieg? Und werden neue Goetzen ausgehorcht?... Diese kleine Schrift ist eine grosse Kriegserklaerung; und was das Aushorchen von Goetzen anbetrifft, so sind es dies Mal keine Zeitgoetzen, sondern ewige Goetzen, an die hier mit dem Hammer wie mit einer Stimmgabel geruehrt wird, - es giebt ueberhaupt keine aelteren, keine ueberzeugteren, keine aufgeblaseneren Goetzen... Auch keine hohleren... Das hindert nicht, dass sie die geglaubtesten sind; auch sagt man, zumal im vornehmsten Falle, durchaus nicht Goetze... Turin, am 30. September 1888, am Tage, da das Buch der Umwerthung aller Werthe zu Ende kam. FRIEDRICH NIETZSCHE. Sprueche und Pfeile. 1. Muessiggang ist aller Psychologie Anfang. Wie? waere Psychologie ein - Laster? 2. Auch der Muthigste von uns hat nur selten den Muth zu dem, was er eigentlich weiss... 3. Um allein zu leben, muss man ein Thier oder ein Gott sein - sagt Aristoteles. Fehlt der dritte Fall: man muss Beides sein - Philosoph... 4. "Alle Wahrheit ist einfach." - Ist das nicht zwiefach eine Luege? - 5. Ich will, ein fuer alle Mal, Vieles nicht wissen. - Die Weisheit zieht auch der Erkenntniss Grenzen. 6. Man erholt sich in seiner wilden Natur am besten von seiner Unnatur, von seiner Geistigkeit... 7. Wie? ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? Oder Gott nur ein Fehlgriff des Menschen? - 8. Aus der Kriegsschule des Lebens. - Was mich nicht umbringt, macht mich staerker. 9. Hilf dir selber: dann hilft dir noch Jedermann. Princip der Naechstenliebe. 10. Dass man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! dass man sie nicht hinterdrein im Stiche laesst! - Der Gewissensbiss ist unanstaendig. 11. Kann ein Esel tragisch sein? - Dass man unter einer Last zu Grunde geht, die man weder tragen, noch abwerfen kann?... Der Fall des Philosophen. 12. Hat man sein warum? des Lebens, so vertraegt man sich fast mit jedem wie? - Der Mensch strebt nicht nach Glueck; nur der Englaender thut das. 13. Der Mann hat das Weib geschaffen - woraus doch? Aus einer Rippe seines Gottes, - seines "Ideals"... 14. Was? du suchst? du moechtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhaenger? - Suche Nullen. 15. Posthume Menschen - ich zum Beispiel - werden schlechter verstanden als zeitgemaesse, aber besser gehoert. Strenger: wir werden nie verstanden - und daher unsre Autoritaet... 16. Unter Frauen. - "Die Wahrheit? Oh Sie kennen die Wahrheit nicht! Ist sie nicht ein Attentat auf alle unsre pudeurs?" - 17. Das ist ein Kuenstler, wie ich Kuenstler liebe, bescheiden in seinen Beduerfnissen: er will eigentlich nur Zweierlei, sein Brod und seine Kunst, - panem et Circen... 18. Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiss, der legt wenigstens einen Sinn noch hinein: das heisst, er glaubt, dass ein Wille bereits darin sei (Princip des "Glaubens"). 19. Wie? ihr waehltet die Tugend und den gehobenen Busen und seht zugleich scheel nach den Vortheilen der Unbedenklichen? - Aber mit der Tugend verzichtet man auf "Vortheile"... (einem Antisemiten an die Hausthuer.) 20. Das vollkommene Weib begeht Litteratur, wie es eine kleine Suende begeht: zum Versuch, im Voruebergehn, sich umblickend, ob es Jemand bemerkt und dass es Jemand bemerkt... 21. Sich in lauter Lagen begeben, wo man keine Scheintugenden haben darf, wo man vielmehr, wie der Seiltaenzer auf seinem Seile, entweder stuerzt oder steht - oder davon kommt... 22. "Boese Menschen haben keine Lieder." - Wie kommt es, dass die Russen Lieder haben? 23. "Deutscher Geist": seit achtzehn Jahren eine contradictio in adjecto. <<< END OF SAMPLE... (THE FULL EBOOK HAS 174696 TOTAL CHARACTERS) >>>