>>> YOU ARE VIEWING A 200 LINE SAMPLE OF EBOOK# E05739 <<< TITLE: DAS LEBEN UND DER TOD DES KOENIGS LEAR AUTHOR: WILLIAM SHAKESPEARE EBOOK: E05739 (O'Briens Book Cellar) LANGUAGE: GERMAN Das Leben und der Tod des Koenigs Lear. William Shakespeare Uebersetzt von Christoph Martin Wieland Personen des Trauerspiels. Lear, Koenig von Brittannien. Koenig von Frankreich. Herzog von Burgund. Herzog von Cornwall. Herzog von Albanien. Graf von Gloster. Graf von Kent. Edgar, Glosters Sohn. Edmund, Bastard von Gloster. Curan, ein Hoefling. Medicus. Narr. Oswald, Gonerills Haushofmeister. Ein Officier. Ein Edelmann, der Cordelia begleitet. Ein Herold. Ein alter Mann von Glosters Unterthanen. Ein Bedienter von Cornwall. Zwey Bediente von Gloster. Gonerill, Regan und Cordelia, Lears Toechter. Ritter die dem Koenig aufwarten, Officiers, Boten, Soldaten und Bediente etc. Der Schauplaz ligt in Brittannien. Erster Aufzug. Erster Auftritt. (Der Koenigliche Palast.) (Kent, Gloster, und Edmund der Bastard, treten auf.) Kent. Ich dachte, der Koenig liebe den Herzog von Albanien mehr als den von Cornwall. Gloster. So schien es uns allezeit; allein izt, bey der Theilung seiner Koenigreiche kan man nicht sehen, welchen von beyden er hoeher schaeze; das schaerfste Auge koennte nichts entdeken, das einem Theil vor dem andern den Vorzug gaebe; so genau sind sie nach ihren verschiedenen Beschaffenheiten und Vorzuegen gegen einander abgewogen. Kent. Ist dieses nicht euer Sohn, Mylord? Gloster. Die Last seiner Erziehung fiel auf mich. Ich habe schon so oft erroethet ihn fuer meinen Sohn zu erkennen, dass ich nicht mehr erroethen kan. Kent. Ich begreiffe euch nicht. Gloster. Die Mutter dieses jungen Menschen konnt' es; sie bekam davon eine gewisse Geschwulst, und zulezt, Sir, fand sich, dass sie einen Sohn fuer ihrer Wiege hatte, ehe sie einen Gemahl fuer ihr Bette hatte. Riechet ihr den Fehler? Kent. Die Wuerkung dieses Fehlers ist so schoen, dass ich nicht wuenschen kan, er moechte unterblieben seyn. Gloster. Ich habe zwar auch einen gesezmaessigen Sohn, der etliche Jahre aelter, aber mir nicht werther ist als dieser. Wenn dieser lose Junge gleich ein wenig unverschaemt auf die Welt kam, eh man ihn verlangte, so war doch seine Mutter schoen; es gieng kurzweilig zu als er gemacht wurde, und der H** Sohn muss erkannt werden. Kennst du diesen Edelmann, Edmund? Edmund. Nein, Mylord. Gloster. Es ist Mylord von Kent. Erinnere dich kuenftig seiner als meines wuerdigen Freundes. Edmund (zu Kent.) Ew. Gnaden geruhen meine Dienste anzunehmen. Kent. Ihr gefallet mir, wir muessen besser mit einander bekannt werden. Edmund. Mylord, ich werde mich bestreben euere Gewogenheit zu verdienen. Gloster. Er ist neun Jahre ausser Landes gewesen, und soll noch laenger seyn. (Man hoert Trompeten, der Koenig koemmt.) Zweyter Auftritt. (Koenig Lear, Cornwall, Albanien, Gonerill, Regan, Cordelia und Gefolge.) Lear. Gloster, gehe denen Fuersten von Frankreich und Burgund Gesellschaft zu leisten. Gloster. Ich gehe, mein Gebieter. (Geht ab.) Lear. Nunmehr ist es Zeit, unser geheimes Vorhaben zu entdeken--Gebet mir diese Land-Carte--Wisset, wir haben unser Koenigreich in drey Theile getheilt, und es ist unsre erste Absicht, unser Alter aller Regierungs-Sorgen und Geschaefte zu entladen, und solche juengern Schultern aufzulegen, indess dass wir unbelastet dem Tod entgegen kriechen--Unser Sohn von Cornwall, und ihr, nicht minder geliebter Sohn von Albanien, wir haben den standhaften Schluss gefasst, in dieser Stunde die verschiedenen Morgengaben unsrer Toechter bekannt zu machen, damit allem kuenftigen Streit darueber vorgebogen werde. Die Fuersten von Frankreich und Burgund, ansehnliche Nebenbuler um die Liebe unsrer juengern Tochter, haben schon lange ihren verliebten Aufenthalt an unserm Hofe gemacht, und sollen izt ihre Antworten erhalten. Saget mir, meine Toechter, (da wir uns nun der obersten Gewalt, der Landesherrschaft und der Sorge des Staats zu begeben willens sind,) von welcher unter euch sollen wir sagen, dass sie uns am meisten liebe? damit wir unsre freygebigste Huld dahin ergiessen, wo die Natur fuer das groeste Verdienst Ansprueche macht. Gonerill, unsre Erstgebohrne, rede zuerst. Gonerill. Sire, ich liebe euch mehr als Augenlicht, Raum und Freyheit; mehr als alles was theuer und selten geschaezt werden mag; nicht minder als Leben, Gesundheit, Schoenheit und Ehre; so sehr als jemals ein Kind geliebt, oder ein Vater geliebt zu seyn verdient hat--mit einer Liebe, die den Athem arm, und die Sprache unzulaenglich macht, die ueber allen Ausdruk ist, liebe ich euch. Cordelia (beyseite.) Was soll Cordelia thun? Lieben und schweigen. Lear. Von allen diesen Laendereyen, (von dieser Linie bis zu jener,) mit schattichten Waeldern und offnen Ebnen, mit fruchtbaren Stroemen und weit verbreiteten Matten bereichert, machen wir dich zur Beherrscherin. Deiner und Albaniens Nachkommenschaft sollen sie auf ewig eigen seyn!--Was sagt unsre zweyte Tochter, unsre geliebteste Regan, Cornwalls Gemahlin? Rede! Regan. Ich bin von eben dem Metall gemacht wie meine Schwester, und schaeze mein getreues Herz nach dem Werth des ihrigen. Ich finde, dass sie das wahre Wesen meiner Liebe ausgedruekt hat; nur darinn faellt sie zu kurz, dass ich mich selbst eine Feindin aller andern Freuden erklaere, welche die vier* edelsten Sinnen uns zu geben vermoegend sind, und finde, dass Eurer Majestaet Liebe meine einzige Gluekseligkeit macht. {ed.-* Durch diese vier edelsten Sinne sind hier Gesicht, Gehoer, Geruch, und Geschmak zu verstehen; denn eine junge Dame konnte mit Anstaendigkeit nicht zu verstehen geben, dass sie die Vergnuegungen des fuenften kenne. Warbuerton. Der Uebersetzer ueberlaesst dieses dem Ausspruch der jungen Damen, und wagt nur die Vermuthung, ob es nicht weit natuerlicher sey zu denken, Regan nenne eben darum die vier edelsten Sinne, weil sie dem fuenften nicht entsagen will.} Cordelia (beyseite.) Arme Cordelia!--und doch nicht arm, denn ich bin gewiss, dass meine Liebe gewichtiger ist als ihre Zunge. Lear. Dir und den Deinigen bleibe zum ewigen Erbtheil dieser ansehnliche Drittheil unsers schoenen Koenigreichs, nicht geringer an Groesse, Werth und Schoenheit, als derjenige, den wir an Gonerill uebertragen haben--Nun du, unsre Freude, nicht die geringste, obgleich die lezte, deren jugendliche Liebe das weinvolle Frankreich, und das milchtrieffende Burgund zu gewinnen streben, was sagst du, ein drittes noch reicheres Loos zu ziehen als deine Schwestern? Cordelia. Nichts, Milord! Lear. Nichts? Cordelia. Nichts! Lear. Aus Nichts kan nichts entspringen. Rede noch einmal. <<< END OF SAMPLE... (THE FULL EBOOK HAS 197358 TOTAL CHARACTERS) >>>