>>> YOU ARE VIEWING A 200 LINE SAMPLE OF EBOOK# E05738 <<< TITLE: MAASS FUER MAASS (MEASURE FOR MEASURE) AUTHOR: WILLIAM SHAKESPEARE EBOOK: E05738 (O'Briens Book Cellar) LANGUAGE: GERMAN Maass fuer Maass (Measure for Measure) oder: Wie einer misst, so wird ihm wieder gemessen. William Shakespeare Ein Lustspiel. Uebersetzt von Christoph Martin Wieland Personen des Lustspiels. Vincentio, Herzog zu Wien. Angelo, Stadthalter in Abwesenheit des Herzogs. Escalus, ein alter Herr von Stande, dem Angelo in Verwaltung der Regierung beygefuegt. Claudio, ein junger Edelmann. Lucio, ein Libertiner. Zwey Edelleute. Varrius, einer von den Hofleuten des Herzogs. Thomas und Peter, zwey Franciscaner-Moenche. Ein Richter. Kerkermeister. Ellbogen, ein Policey-Aufseher in einem Quartier der Stadt. Schaum, ein naerrischer Junker. Harlequin, Diener der Frau Overdone. Abhorson, ein Nachrichter. Bernardin, ein ruchloser Gefangner. Isabella, Claudios Schwester. Mariane, mit Angelo versprochen. Juliette, Claudios Liebste. Francisca, eine Nonne. Frau Overdone, eine Kupplerin. Wache, Stadtbediente, und andre aufwartende Personen. Der Schauplaz ist in Wien. Die Geschichte ist aus Cinthios* Novellen genommen. {ed.-* "Epitia" von Giambattista Giraldi, gen. Cintio (Cinzio), 1504--1573.} Erster Aufzug. Erste Scene. (Des Herzogs Palast.) (Der Herzog, Escalus, und einige Herren vom Hofe.) Herzog. Escalus-- Escalus. Gnaedigster Herr-- Herzog. Es wuerde eine unzeitige Sucht zu reden an mir scheinen, wenn ich euch die Eigenschaften einer klugen Regierungsart entfalten wollte, da mir bekannt ist, dass eure Wissenschaft hierinn alle Erinnerungen, die ich euch geben koennte, ueberfluessig macht; es bleibt mir also nichts uebrig, als euch die Gelegenheit zu geben, diese Geschiklichkeit im Werke zu zeigen. Fleiss und Erfahrung hat euch den Character unsers Volkes, die Geseze unsrer Stadt, und die allgemeinen Regeln der Gerechtigkeit so bekannt gemacht, dass wir niemand kennen, der euch hierinn uebertreffe. Hier ist unser Auftrag, welchem wir puenctlich nachgelebt wissen wollen--Man rufe den Angelo hieher--Wie meynt ihr, dass er unsre Stelle vertreten werde? Denn ihr muesst wissen, dass wir ihn mit besonderer Vollmacht ersehen haben, unsre Abwesenheit zu ersezen; ihm haben wir unsre volle Macht zu strafen und gutes zu thun geliehen; sagt, was denkt ihr hiezu? Escalus. Wenn jemand in Wien eines solchen Vertrauens, und einer so hohen Ehre wuerdig ist, so ist es Angelo. Zweyte Scene. (Angelo zu den Vorigen.) Angelo. Ich komme, Euer Durchlaucht Befehle zu vernehmen. Herzog. Angelo, dein Leben entdekt dem aufmerksamen Beobachter die ganze Gestalt deines Characters. Die Ausuebung jeder Tugend ist durch eine lange Uebung deine Natur geworden. Wir zuenden keine Fakeln an, damit sie sich selbst leuchten; so macht es der Himmel mit uns; wofern unsre Tugenden nicht ausser uns wuerken, so waere es gleich viel, wenn wir sie gar nicht haetten. Geister werden nur zu grossen Endzweken vollkommner von der Natur ausgebildet, und diese sparsame Goettin leyht nicht das kleinste Quintchen von ihrer Vortreflichkeit, ohne die Absicht, Dank und Interesse davon zu ziehen. Doch ich rede dieses zu einem, der mich selbst in dem Amt, das ich ihm auftrage, unterrichten koennte. Sey also in unsrer Abwesenheit der Vertreter unsres voelligen Selbst in dieser Stadt; Leben und Tod, Angelo, hange von deinen Lippen ab; der alte Escalus, ob gleich der erste deiner Raethe, ist nur der zweyte nach dir. Hier ist deine Commission. Angelo. Nein, mein gnaedigster Herr; lasst mein Metall vorher auf irgend eine schaerfere Probe gesezt werden, eh eine so edle und grosse Figur darauf gestempelt wird. Herzog. Kommt, keine Ausfluechte mehr; wir haben euch mit wohlbedachter Wahl hiezu ersehen; uebernehmt also unsre Stelle. Unsre Abreise von hier wird so schleunig seyn, dass wir Sachen von Wichtigkeit unentschieden zurueklassen muessen. Wir werden euch, so viel Zeit und Umstaende zulassen, von unserm Befinden Nachricht geben, und uns erkundigen, wie es hier stehe. Lebet also wohl; ich ueberlasse euch der hoffnungsvollen Ausfuehrung unsrer Auftraege. Angelo. Erlaubet wenigstens, gnaedigster Herr, dass wir euch einige Umstaende-- Herzog. Wir koennen keinen Augenblik laenger verziehen. Auch habt ihr, bey meiner Ehre, nicht noethig euch das mindeste Bedenken zu machen. Euer Werk ist, wie das unsrige, die Geseze so einzurichten und in Wuerksamkeit zu sezen, wie ihr es am besten achtet. Gebt mir eure Hand, ich werde in geheim abreisen. Ich liebe das Volk, aber ich seze mich ihm nicht gern zur Schau aus; ob es gleich wohl thut, so bin ich doch kein Liebhaber ihres lauten Zujauchzens, und habe keine grosse Meynung von der Bescheidenheit derjenigen, die dergleichen Dinge lieben. Noch einmal, lebet wohl. Angelo. Der Himmel befoerdere euer Vorhaben. Escalus. Und bringe euch glueklich zuruek. Herzog. Ich danke euch, lebet wohl. (Er geht ab.) Escalus. Ich muss euch, mein Herr, um Erlaubniss bitten, eine freye Unterredung mit euch zu haben. Es ist mir daran gelegen, mein Amt recht zu kennen. Ich habe eine Gewalt; aber ich bin nicht belehrt, wie weit sie sich erstrekt. Angelo. Es geht mir eben so; wir wollen uns mit einander hinwegbegeben, und durch Vergleichung unsrer Instructionen uns ins Klare sezen. Escalus. Ich werde Euer Gnaden folgen. (Sie gehen ab.) Dritte Scene. (Eine Straasse.) (Lucio und zween Edelleute.) Lucio. Wenn der Herzog, und die uebrigen Herzoge sich mit dem Koenig von Ungarn nicht vergleichen koennen, so werden sich alle Herzoge wider den Koenig vereinigen. 1. Edelmann. Der Himmel geb uns seinen Frieden, aber nicht des Koenigs in Ungarn seinen. 2. Edelmann. Amen! Lucio. Du betest wie jener andaechtiger Seeraeuber, der mit den zehen Gebotten zu Schiffe stieg, aber eines aus der andern Tafel auskrazte. 2. Edelmann. Du sollt nicht stehlen-- Lucio. Eben das. 1. Edelmann. Hatte er nicht Ursache? Das ist ein Gebott, das seine Leute von ihrer Schuldigkeit abgehalten haette; denn sie schiften sich ein, um zu stehlen. Es ist nicht einer unter uns Soldaten, dem in dem Gebet vor dem Essen, die Bitte fuer den Frieden gefiele. 2. Edelmann. Ich habe doch nie keinen Soldaten gehoert, der sie missbilligt haette. Lucio. Das glaub ich dir; du bist vermuthlich nie dabey gewesen, wenn man das Tischgebet gesprochen hat. 2. Edelmann. Nie? wenigstens ein duzendmal. 1. Edelmann. <<< END OF SAMPLE... (THE FULL EBOOK HAS 156685 TOTAL CHARACTERS) >>>